Wie Familie und Freunde verantwortungsbewusstes Spielen auf unterstützende und nicht wertende Weise fördern können

Wie Familie und Freunde verantwortungsbewusstes Spielen auf unterstützende und nicht wertende Weise fördern können

Wenn jemand im eigenen Umfeld viel spielt – sei es in Online-Casinos, bei Sportwetten oder anderen Formen des Glücksspiels – kann das Sorgen auslösen. Familie und Freunde möchten oft helfen, wissen aber nicht, wie sie das tun können, ohne zu kritisieren oder Druck auszuüben. Verantwortungsbewusstes Spielen betrifft nicht nur die Spielerin oder den Spieler selbst, sondern auch die Menschen, die sie oder ihn umgeben. Hier erfahren Sie, wie Sie als Angehörige oder Freund auf eine unterstützende und respektvolle Weise helfen können.
Verstehen, was verantwortungsbewusstes Spielen bedeutet
Verantwortungsbewusstes Spielen heißt, die Kontrolle über das eigene Spielverhalten zu behalten – finanziell, zeitlich und emotional. Spielen sollte Unterhaltung bleiben, nicht zur Lösung von Problemen oder als Einnahmequelle dienen. Für viele ist Glücksspiel ein Freizeitvergnügen, doch für manche kann es zu einem ernsten Problem werden, wenn das Spielverhalten außer Kontrolle gerät.
Wichtig ist zu verstehen, dass Spielprobleme keine Frage mangelnder Willenskraft sind. Oft spielen psychologische, soziale und emotionale Faktoren eine Rolle. Diese Einsicht ist der erste Schritt, um auf eine mitfühlende und nicht wertende Weise zu unterstützen.
Ein offenes und sicheres Gesprächsklima schaffen
Wenn Sie sich Sorgen machen, ist es verständlich, dass Sie das Thema ansprechen möchten. Doch ein vorwurfsvoller Ton kann dazu führen, dass sich die betroffene Person zurückzieht. Versuchen Sie stattdessen, ein Gespräch in einer ruhigen und vertrauensvollen Atmosphäre zu führen.
- Wählen Sie den richtigen Moment – nicht während eines Spiels oder in einer angespannten Situation.
- Sprechen Sie über Ihre eigenen Gefühle – sagen Sie zum Beispiel: „Ich mache mir Sorgen, weil ich sehe, wie viel Zeit du mit Spielen verbringst“, statt „Du spielst zu viel“.
- Hören Sie aktiv zu – zeigen Sie echtes Interesse und vermeiden Sie es, zu belehren oder zu urteilen.
Das Ziel ist, dass sich die Person verstanden und respektiert fühlt. Das kann der erste Schritt sein, um selbst über das eigene Spielverhalten nachzudenken.
Unterstützen statt kontrollieren
Es ist verlockend, eingreifen zu wollen – etwa indem man das Geld verwaltet oder Grenzen setzt. Doch Kontrolle kann Widerstand und Scham hervorrufen. Besser ist es, die betroffene Person zu ermutigen, selbst Verantwortung zu übernehmen.
Sie können zum Beispiel:
- Auf die Nutzung von Schutzmechanismen hinweisen, die viele Glücksspielanbieter in Deutschland anbieten, etwa Einzahlungslimits oder Selbstsperren über das OASIS-Sperrsystem.
- Informationen über Hilfsangebote weitergeben, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) oder die Hotline Glücksspielsucht (0800 137 27 00).
- Anbieten, die Person zu einem Beratungsgespräch zu begleiten, wenn sie das möchte.
Indem Sie unterstützen statt kontrollieren, zeigen Sie Vertrauen – und das kann entscheidend sein, damit die betroffene Person den Mut findet, etwas zu verändern.
Eigene Grenzen wahren
Wer einem Menschen mit Spielproblemen nahesteht, kann emotional stark belastet sein. Es ist wichtig, auch auf sich selbst zu achten. Sie können helfen, aber Sie tragen nicht die Verantwortung für die Entscheidungen des anderen.
Wenn Sie sich überfordert fühlen, suchen Sie selbst Unterstützung – etwa bei einer Beratungsstelle für Angehörige. Viele Angebote sind anonym und kostenlos. Nur wenn Sie selbst stabil bleiben, können Sie langfristig eine Hilfe sein.
Die Beziehung in Balance halten
Wenn das Spielen zu viel Raum einnimmt, leidet oft die gemeinsame Zeit. Versuchen Sie, wieder gemeinsame Aktivitäten zu finden, die nichts mit Glücksspiel zu tun haben – etwa Spaziergänge, gemeinsames Kochen oder einen Filmabend.
Das bedeutet nicht, das Problem zu ignorieren, sondern zu zeigen, dass die Beziehung mehr ist als Sorge und Konflikt. Solche positiven Erlebnisse können Vertrauen und Nähe stärken – wichtige Voraussetzungen für Veränderung.
Wenn professionelle Hilfe nötig ist
Hat das Spielverhalten bereits ernste Folgen, ist professionelle Unterstützung oft unverzichtbar. Der Schritt, Hilfe anzunehmen, fällt vielen schwer. Sie können helfen, indem Sie Informationen bereitstellen oder anbieten, die Person zu begleiten.
In Deutschland gibt es zahlreiche Anlaufstellen, etwa die BZgA-Beratung Glücksspielsucht, regionale Suchtberatungsstellen oder Online-Angebote wie www.check-dein-spiel.de. Wichtig ist, dass die betroffene Person weiß: Sie ist nicht allein.
Eine unterstützende Haltung macht den Unterschied
Verantwortungsbewusstes Spielen zu fördern bedeutet nicht, Kontrolle auszuüben, sondern Verständnis, Sicherheit und Hoffnung zu vermitteln. Wenn Familie und Freunde mit Empathie statt mit Vorwürfen reagieren, steigt die Chance, dass die betroffene Person selbst Verantwortung übernimmt und Veränderungen wagt.
Es braucht Geduld – aber kleine Schritte können viel bewirken. Ein offenes Gespräch, ein verständnisvolles Ohr und eine nicht wertende Haltung können der Anfang einer positiven Entwicklung sein – für die spielende Person und für die Beziehung zwischen Ihnen.










